NEUMARKT. Der Neumarkter Bundestagsabgeordnete Alois Karl könnte bei den nächsten Bundestagswahlen seinen Stammplatz als CSU-Direktkandidat verlieren.
Nach einem Bericht der "Amberger Zeitung" will man in Amberg Barbara Lanzinger direkt nominieren, Dies habe der Amberger Kreisvorsitzende Stefan Ott angekündigt. Die Stadt Amberg und die Landkreise Neumarkt und Amberg-Sulzbach teilen sich den Wahlbezirk.
In früheren Jahren hatten die Amberger die Direktkandidatur bei den Bundestagswahlen - und damit den praktisch sicheren Bundestagsabgeordneten - immer für sich reklamiert. Erst mit dem früheren Neumarkter Oberbürgermeister Alois Karl kam der Raum Neumarkt zum Zuge.
Nach den jüngsten Signalen aus Amberg könnte es zu einer Kampfabstimmung der CSU innerhalb des Wahlkreises kommen, wenn man sich nicht zuvor hinter verschlossenen Türen einigt. Neumarkt würde bei einer Kampfabstimmung 82 gegenüber 72 Stimmen bei den Amberger Parteifreunden haben - allerdings wird erfahrungsgemäß nicht immer einheitlich abgestimmt.
06.04.16
Umgehungen sicher ?
NEUMARKT. Mehrere wichtige Verkehrsplanungen im Landkreis sind als "Vordringlicher Bedarf" im Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans.
Dazu zählen die
Einstufung des Neubaus eines dritten Gleises auf der Bahnstrecke zwischen Feucht und Neumarkt und die geplanten Ortsumgehungen von Postbauer-Heng und Mühlhausen. Das teilte MdB Alois Karl am Mittwoch mit.
Nachdem bereits Baurecht erteilt wurde (wir berichteten) sei die rund 23 Millionen Euro teure Umgehung der B299 um den Ortskern von Mühlhausen erst durch die erneute Aufnahme in den neuen Bundesverkehrswegeplan sichergestellt. Der Bund bucht die nötigen Mittel für diesen Straßenbau ein, sobald dieser Bundesverkehrswegeplan Gesetz ist.
Der Plan wird nun sechs Wochen lang öffentlich ausgelegt. Dann folgt die Auswertung der eingegangenen Bedenken und Vorschläge, die dann in den Bundesverkehrswegeplan eingearbeitet werden. Nach einem Beschluss des Bundeskabinetts im Frühsommer wird ein Rahmen für die Investitionen abgesteckt und ein Bedarfsplan erstellt. Letztendlich entscheidet der Deutsche Bundestag im Spätherbst.
16.03.16
Unrühmliche Geschichte
MdB Alois Karl wurde darauf aufmerksam, dass bei dieser Ausstellung in Berlin über das Durchgangslager Neumarkt informiert wird
NEUMARKT. Im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages ist derzeit auch von der Stadt Neumarkt die Rede - allerdings nicht von ihrer Schokoladenseite.
Bei einer Ausstellung in unmittelbarer Nähe des Reichstagsgebäudes wird auch über NS-Zwangsarbeit im Wahlkreis Amberg-Sulzbach-Neumarkt thematisiert. Die
Stammlager Sulzbach-Rosenberg und das Durchgangslager Neumarkt werden exemplarisch für den Umgang mit Zwangsarbeitern dargestellt.
Im Paul-Löbe-Haus beraten nicht nur die Ausschüsse des Deutschen Bundestages, sondern im Innenbereich werden auch traditionell wechselnde politische Themen mit Ausstellungen beleuchtet. Die aktuelle Ausstellung informiert über die Schicksale von Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs im ländlichen Raum in Deutschland. Bei der Betrachtung dieser Ausstellung ist Bundestagsabgeordneter Alois Karl darauf aufmerksam geworden, dass dabei das Stammlager Sulzbach-Rosenberg sowie das Durchgangslager in Neumarkt stellvertretend für die NS-Zwangsarbeit in Bayern aufgearbeitet wurden.
Im Stammlager XIII a in Sulzbach-Rosenberg waren während des Krieges über 2.700 Zwangsarbeiter untergebracht, weitere rund 37.000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene waren in Außenlagern bei ihren Arbeitsorten im weiteren Umkreis verteilt.
Die Barackensiedlung in Neumarkt, von der noch Reste erhalten sind, lag im Bereich des heutigen Ortsteils Wolfstein.
Es war ein Durchgangslager, von wo aus Menschen, die aus Ost- und Südosteuropa nach Deutschland deportiert worden waren, auf ganz Nordbayern verteilt wurden, um in Fabriken oder der Landwirtschaft zu arbeiten. Für viele hieß das, dass sie in der Fremde an Unterernährung oder fehlender medizinischer Betreuung sterben mussten. Heute haben mehr als 5.000 tote Zwangsarbeiter, zusammengetragen aus ganz Bayern, an der Kriegsgräberstätte am Föhrenweg ihre letzte Ruhe gefunden.
Die Ausstellung im Deutschen Bundestag läuft noch bis Freitag.
Zum Hintergrund: Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert hatte die Ausstellung „NS-Zwangsarbeit im ländlichen Raum. Ausstellungsprojekte gegen das Vergessen“ in der Halle des Paul-Löbe-Hauses im Berliner Parlamentsviertel eröffnet. Es handelt sich um eine Ausstellung der Projektgruppe „Zwangsarbeit“ e.V. im Auftrag des Deutschen Bundestages. Zur Ausstellung sprach der Vorsitzende der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, Dr. Michael Jansen.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren es mehr als 13 Millionen Männer, Frauen und Kinder aus fast ganz Europa, die im Deutschen Reich Zwangsarbeit leisten mussten. Sie schufteten auf den Feldern der Landwirte, in der Rüstungsindustrie, in Privathaushalten und in so gut wie jedem Handwerks- und Gewerbebetrieb – ob im Hotel, in der Limonadenfabrik, beim Bäcker, Gärtner, Schneider oder im Friseursalon.
Die Zwangsarbeiter gelten als größte Opfergruppe des nationalsozialistischen Systems. Während ihre Geschichte und Geschichten in größeren Städten weitgehend erforscht und veröffentlicht wurden, hat das Schicksal der Deportierten in den ländlichen Regionen Deutschlands bis dato nur wenig Beachtung gefunden. Sulzbach-Rosenberg und Neumarkt, wo viele Flüchtlinge nach dem Krieg zuerst unterkamen und sich schließlich niederließen, dürfte einige der wenigen rühmlichen Ausnahmen sein. Das Schicksal der Deportierten ist Teil der Geschichte der Städte.